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Sechstklässler besuchen die Mannheimer Synagoge

Symbolbild Sechstklässler besuchen die Mannheimer Synagoge

Im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts unternahmen die sechsten Klassen des Bergstraßen-Gymnasiums Hemsbach gemeinsam mit ihren Religions- und Ethiklehrerinnen, unter der Leitung von Frau Dunz, eine Exkursion zur Jüdischen Gemeinde Mannheim.

Ziel des Besuchs war es, das Judentum besser kennenzulernen und dadurch Toleranz, gegenseitiges Verständnis und den respektvollen Umgang mit religiöser Vielfalt zu fördern. Dabei spielt die Geschichte des Judentums eine besondere Rolle, da sie grundlegend mit der Geschichte Deutschlands verbunden ist.

Durch den Vormittag führte Kantor Amnon Seelig, der den Schülerinnen und Schülern auf anschauliche Weise Einblicke in Geschichte, Glauben und Gemeindeleben gab. Zu Beginn erklärte er die besondere Geschichte Mannheims: Anders als in vielen anderen Städten durften sich hier Menschen verschiedener Religionen ansiedeln, wodurch sich eine große jüdische Gemeinde entwickeln konnte. Die Gemeinde zählt heute rund 450 Mitglieder. In Deutschland gibt es insgesamt ca. 100.000 registrierte Juden und bis zu 50.000 nicht registrierte Juden. Auch der – für die Schülerinnen und Schüler aus Hemsbach - ungewöhnliche Stadtgrundriss mit seinen nach Buchstaben und Zahlen geordneten Quadraten statt Straßennamen wurde vorgestellt.
Im heutigen Gemeindehaus befinden sich neben der Synagoge unter anderem ein Gemeindesaal, Vereinsräume sowie zwei Küchen, die nach den jüdischen Speisegesetzen getrennt für fleischige und milchige Speisen eingerichtet sind.

Die Klassen durften es sich in den Bänken der Synagoge bequem machen und bekamen von Kantor Seelig den Ablauf der Gottesdienste erklärt, die jeweils am Freitagabend zum Beginn des Schabbats sowie am Samstagvormittag stattfinden. Alle Gebete werden auf Hebräisch gesungen und vom Kantor vorgetragen, auch wenn nicht alle Gemeindemitglieder die Sprache vollständig verstehen. Kantor Seelig stimmte auch vor den Schülerinnen und Schülern ein Gebet an, was diese verstummen und beeindruckt lauschen ließ. Ebenso beeindruckend war es auch, eine Thorarolle aus nächster Nähe zu betrachten und zu erfahren, mit welcher großen Sorgfalt die heiligen Schriftrollen behandeln werden: Wird ein Fehler entdeckt, darf aus der Rolle erst wieder gelesen werden, nachdem sie fachgerecht repariert wurde. Auch das Widderhorn (Schofar), dessen Klang die Herzen der Gläubigen berühren soll, beeindruckte die Gruppe.

Ein wichtiger Teil des Besuchs war die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Mannheimer Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Altersgerecht wurde erklärt, dass etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Besonders bewegend war der Hinweis auf einen orangefarbenen Stein aus Auschwitz, der in die Außenmauer des Gemeindezentrums eingelassen wurde und an das Schicksal der Mannheimer Jüdinnen und Juden erinnert. Nachdem viele Menschen bereits fliehen konnten, wurden die verbliebenen jüdischen Einwohner im Oktober 1940 deportiert und viele von ihnen später in Konzentrationslagern ermordet.

Die Exkursion bot den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Religion nicht nur aus dem Unterricht, sondern an einem authentischen Lernort kennenzulernen. Durch die Begegnung mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde wurden Geschichte und Glauben unmittelbar erfahrbar.

Text und Bilder: Annika Ehrhard

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